Die Familie der Kieferngewächse

Kiefer ist nicht gleich Kiefer. Das wird dem leidenschaftlichen Rätsellöser spätestens dann klar, wenn er eine Kiefernart erraten soll. Es finden sich mehr als 40 Lösungen mit 4 bis 15 Buchstaben. Dabei meinen Namen wie Arve, Arbe und Erve vermutlich den gleichen Baum, während die Fichte und die Lärche vielleicht sogar fehl am Platz sind. Bei der Bergkiefer, der Sumpfkiefer und der Weymouthskiefer kann hingegen mit Sicherheit davon ausgegangen werden, dass es sich um drei unterschiedliche Kieferngewächse handelt. Um das abzuklären, ist es nun an der Zeit, das Thema Kiefernarten mal etwas näher zu beleuchten.

Kiefern, Dählen, Föhren oder Forlen

Kiefern der botanischen Gattung Pinus werden je nach Region oder Landschaft auch Dählen, Föhren oder Forlen. Sie gehören zur großen Familie der Kieferngewächse, lateinisch Pinageae und zur Ordnung der Koniferen. Die Gattung umfasst mehr als 90 Arten, wobei die meisten davon auf der nördlichen Halbkugel gedeihen. Kiefern sind in den meisten Fällen immergrüne Bäume. Die männlichen Blüten der Kiefern sind achselständig und ährig gehäuft. Die weiblichen Blüten hingegen bilden die Zapfen mit ihren holzigen Zapfenschuppen.

Die darin enthaltenen Samen sind oftmals geflügelt. Viele Arten an Kiefern sind wichtig für die Bildung kompletter und gesunder Mischwälder. Zudem sind Kiefern in viele Regionen von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Neben dem Holz wird von Kiefern vor allem Terpentin, aber auch Kolophonium gewonnen. In manchen Regionen nutzt man das Öl der Kiefer auch für Wellnessprodukte mit heilsamer Wirkung. Viele Kiefernarten finden auch als Zierbäume und Zierbüsche Verwendung. Bereits in der griechischen und römischen Antike wurde aus Kiefern Pech, Harz und Terpentin gewonnen. Damals diente das Harz auch zur Haltbarmachung von Wein. In Griechenland gibt es den geharzten Retsinawein bis heute.

Kiefer aus Kienspan und Föhre

In der Literatur bis ins 19. Jahrhundert werden Kiefern, Fichten und Tannen oftmals noch gleichgesetzt oder einfach verwechselt. Die trockenen Kiefernzapfen sind gut geeignet und wurden schon lange genutzt, um damit Feuer zu entfachen. Im süddeutschen Raum nennt man die Zapfen zu diesem Zweck mundartlich auch "Butzelkühe". Der Name Kiefer rührt vermutlich auch aus dieser Verwendung. Zunächst gab es wohl nur die Bezeichnung Föhre, die in abgewandelter Form in vielen Sprachen anzutreffen ist. Seit dem 14. und 15. Jahrhundert entwickelten sich parallele Bezeichnungen. Im Althochdeutschen hießen die zunächst kienvorhe oder kinuorha. Später wurde daraus Kinfer oder Kimfer. So entstand vermutlich aus dem Kien(span) und der Föhre nach und nach die Zusammensetzung Kiefer. Kommen wir nun zu den wichtigsten Kieferarten.

Die wichtigsten Arten an Kiefern

Die Waldkiefer oder Gemeine Kiefer Pinus sylvestris wird auch als Forche, Rotföhre und Weißkiefer bezeichnet. Der bis zu 50 Meter hoch wachsende Baum ist in lokalen Varietäten in ganz Europa bis hin nach Sibirien verbreitet. die Nadeln der Waldkiefer wachsen paarweise an Kurztrieben und die ovalen Zapfen werden 5 bis 8 Zentimeter lang.

Die Strandkiefer oder Seekiefer Pinus pinaster wird auch mit den Namen Bourdeaux-Kiefer, Meer-Kiefer, Igel-Kiefer oder Stern-Kiefer bedacht. Sie wird 20 bis maximal 30 Meter hoch und wächst in Nordafrika, in Portugal und auf der Iberischen Halbinsel, im Mittelmeergebiet bis Griechenland und an der französischen Atlantikküste. Die Borke der Strandkiefer ist rötlich und rissig. Die paarweise wachsenden Nadel sind 10 bis 20 Zentimeter lang und die Zapfen sind glänzend und hellbraun.

Die Schwarzkiefer Pinus nigra trägt auch den Namen Schwarzföhre. Der Baum wird 20 bis 40 Meter hoch. Die Schwarzkiefer ist in den Gebirgen Westasiens und Süd- und Osteuropas beheimatet. Die Rinde der Schwarzkiefer ist grau bis schwarz, die paarweise wachsenden, dunkelgrünen Nadeln werden bis zu 15 Zentimeter lang und die Zapfen sind ei- oder kegelförmig.

Die Rumelische Kiefer Pinus peuce ist auch als Mazedonische Kiefer bekannt. Der Name der Kiefer rührt von der alten Gebietsbezeichnung Rumelien und bezeichnete die auf dem Balkan gelegenen osmanischen Gebiete. Die 10 bis 20 Meter hohen Bäume wachsen außer in diesem Gebiet auch in Albanien und in Griechenland. Die Nadeln der Rumelischen Kiefer sind dreijährig und am Ende des Triebes pinselartig gehäuft.

Die Pinie Pinus pinea wird auch Nuss-Kiefer genannt, weil die großen und schmackhaften Pinienkerne, die auch Pignolen oder Piniennüsse genannt werden, wie Nüsse verzehrt werden können. Die Pinien mit ihrer schirmartigen Krone wachsen im Mittelmeerraum von Spanien und Portugal bis Anatolien sowie an der Küste des Schwarzen Meeres. Pinien können bis zu 25 Meter hoch werden. Die paarweise wachsenden Nadeln sind leicht gedreht und werden zwischen 10 und 15 Zentimeter lang. Die mitunter ebenfalls bis zu 15 Zentimeter langen Zapfen sind eiförmig oder auch kugelig. Mancher Mittelmeerreisende hat Pinien und Zypressen, die hier zusammen die Landschaft prägen, schon mit offenen und geschlossenen Regenschirmen verglichen.

Die Weymouthkiefer Pinus strobus wird auch als Strobe oder Seidenkiefer bezeichnet. Sie ist mit bis zu 50 Metern Höhe die größte Nadelbaumart, die ursprünglich im östlichen Teil Nordamerikas zu Hause war. Seinen Namen verdankt der prächtige Baum nicht seinem Entdecker, dem englischen Schriftsteller und Abenteuer George Weymouth, der die Kiefer 1605 erstmals nach England brachte. Benannt wurde sie schließlich nach Thomas Thynne, dem ersten Viscount Weymouth, der die amerikanische Kiefer in England zum Forstbaum machte. Es gibt um die 500 Jahre alte Weymouthkiefern. Der Baum mit seinen seidigen Nadeln ist der Staatsbaum der US-amerikanischen Bundesstaaten Michigan und Maine.

Die Grannenkiefer Pinus aristata trägt auch den Namen Fuchsschwanzkiefer. Von dieser Kiefernart gibt es Exemplare, die um die 2.500 Jahre alt sind. Der Methusalem unter den Kiefern erreichen jedoch nur Höhen von 8 bis maximal 18 Metern und einen Stammdurchmesser von einem halben bis einem Meter. Der Umfang diese erstaunlichen Bäume wächst in 100 Jahren manchmal gerade nur 3 Zentimeter. Die Grannenkiefer ist mit der Langlebigen Kiefer Pinus longaeva eng verwandt, die sogar doppelt so alt werden kann wie die Grannenkiefer. Erst im Jahr 1971 wurden die beiden Arten voneinander abgetrennt.

Es gibt noch eine Reihe weiterer Kiefernarten wie beispielsweise die Aleppokiefer Pinus halepensis, die Bergkiefer Pinus mugo und die Arve oder Zirbelkiefer Pinus cembra, die keine große forstwirtschaftliche Bedeutung haben, bei uns aber gern als Zierbäume gepflanzt oder auch als Bonsaivariante gezüchtet werden.

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