Das goldene Ziegenfell des Zeus

Die Ägis: das Schild des Göttervaters Zeus

Zeus ist der oberste olympische Gott und Göttervater in der antiken griechischen Mythologie. Seine römische Entsprechung ist Jupiter. Die griechische Mythologie ist eine äußerst komplexe Erzählung mit vielen, teilweise auch widersprüchlichen Erzählsträngen. Zeus ist der Sohn der Urgottheiten Rhea und Kronos, der Bruder von Hades und Poseidon und der Gemahl und Bruder von Hera. Die Ägis ist ein Attribut und Symbol des Zeus, der als oberster aller Götter in der Antike zahlreich dargestellt wurde. Das berühmte Zeusheiligtum mit einem Kultbild in Form einer monumentalen, 13 Meter hohen Statue des damals weithin bekannten Bildhauers Phidias stand seinerzeit in Olympia. Die Ägis gehörte jedoch ausgerechnet bei dieser Kolossalstatue aus dem 5. Jahrhundert vor Christus nicht zu seiner Ausstattung. Laut Mythos hat Zeus die Ägis, seinen Brustpanzer, an seine Tochter Athene weitergereicht, die stattdessen zahlreich mit dem Schild abgebildet wurde. Auch sein Sohn Apollon hat die Ägis zuweilen benutzt.

Ist die Ägis Brustpanzer oder Schild?

Ob die Ägis Brustpanzer oder Schild ist, lässt sich nicht eindeutig beantworten. Wahrscheinlich ist sie beides und noch viel mehr. Ethymologisch bezeichnet das Wort Ägis aller Wahrscheinlichkeit nach die Ziege und im Fall des Götterattributs ein goldenes Ziegenfell. Möglich wäre auch eine Verbindung zum altgriechischen Wort Wirbelsturm. Das Lateinische Wort aegis wiederum bedeutet eindeutig Schild, Schutz oder auch Schirm. In der Literatur wird das Schild oft auch als Sturmschild des Zeus bezeichnet. Denn die Ägis soll unter anderem dazu gedient haben, Gewitterstürme aufziehen zu lassen. Wenn das Fell von Zeus selbst, von der Göttin der Weisheit Athene oder vom Gott des Lichts Apollon geschüttelt wurde, hat es Blitz, Donner und Dunkelheit versendet. Der Legende nach hat der geschickte Schmied und Gott des Feuers Hephaistos, ebenfalls ein Sohn von Zeus und seiner Gattin Hera, das große Schild aus einem Ziegenfell angefertigt.

Ein eigenwillig geschmücktes Schild

Die Ägis selbst ist prächtig, doch auch sehr eigenwillig geschmückt. Im Zentrum befindet sich das versteinerte Haupt der Gorgone Medusa. Perseus, ein Heroe und Sohn von Zeus und der sterblichen Danae, hatte die jüngste der drei Gorgonen getötet. Die Gorgonen waren Schwestern mit Schlangen statt Haaren auf dem Haupt, bei deren Anblick jeder sofort zu Stein erstarrt. Perseus nutzte ein Schild der Athene, vielleicht die Ägis, um seinen Blick zu schützen. Das Haupt der Medusa wiederum soll ein Geschenk von Perseus an Zeus gewesen sein. Auf jeden Fall ziert es die Ägis und ist darauf von Orakelschlangen umgeben. Nachdem Zeus sein Schild oder seinen Brustpanzer an seine Tochter weitergereicht hatte, wurde die Ägis zum Symbol der göttlichen Macht Athenes. Homer zufolge waren die Ägis und Athene wiederum klar an die Herrschaft Zeus gebunden. Für den wohl berühmtesten und ältesten aller Dichter diente die Ägis dem Zeus, um über alle anderen Götter zu herrschen.

Ein Schild mächtiger als Zeus selbst

Selbst Zeus soll der Ägis nicht vollkommen gewachsen gewesen sein, denn seine Blitze konnten das Schild nicht zerstören. Das versteinerte Medusenhaupt hat auf der Ägis angeblich weiter gewirkt und eine versteinernde oder lähmende Wirkung auf alle Gegner ausgeübt haben. In der Ilias, einem der Werke Homers, das den Trojanischen Krieg thematisiert, unterstützt Apollon mit der Ägis die Bewohner von Troja. Als sie, Apollon mit der Ägis voran, ein Schiffslager der Achaier durchbrechen, werden die Überraschten durch das Schild in Angst und Schrecken versetzt. Die weise Athene hat die Ägis ebenfalls im Trojanischen Krieg verwendet, um sich gegen die Feinde zu schützen. Sie kämpfte dort auf der gegnerischen Seite von Apollon für die Griechen oder Achaier. Die Redewendung "unter jemandes Ägide stehen", also von jemandem beschützt werden, geht auf das wundersame Schild von Zeus und Athene zurück.

A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z