Staatsmänner mit berühmten Reden in der Antike

Sie begegnen jedem Kreuzworträtselfan immer und immer wieder, die Redner der Antike. Dabei wollen die Rätselmacher von uns häufig keine wohlklingenden Namen wie Cicero oder Demosthenes hören. Vielmehr geht es darum, wie man einen Redner im antiken Mittelmeerraum nannte. Um das mangelhafte Bild der Umschreibung "Redner der Antike" mit etwas mehr Leben zu füllen, haben wir für Sie die wichtigsten Antwortmöglichkeiten und ein bisschen Basiswissen zusammengestellt.

Rhetor

Der Begriff Rhetor wird im lateinischen und altgriechischen homonym verwendet und beschreibt auch denselben Kontext. Der Rhetor war als Redner oder auch als Lehrer der Redekunst ein Teil der intellektuellen Elite des antiken Europas. Die elitäre Stellung der Redner ergab sich nicht zuletzt aus dem Umstand, dass einfache Menschen sich aufgrund akuten Zeitmangels weder mit der Kunst des schönen Sprechens auseinandersetzen noch sich die Ausbildung bei den entsprechenden Lehrern leisten konnten.

Die Rolle der Redner war in den griechischen Demokratien fundamental für die Meinungsbildung. Man stelle sich eine Welt ohne Internet, die Tagesschau und auch ohne Zeitung vor. Politik fand im öffentlichen Diskurs auf der Agora statt und Entscheidungen waren in vielen Fällen basisdemokratisch. Ein guter Redner konnte damals wie heute einen enormen Einfluss auf die demokratischen Entscheidungsprozesse haben. Der Begriff des Demagogen geht ebenfalls auf die beredten Menschen zurück, die in der Lage waren, durch geschickte Rhetorik die Bevölkerung auf ihre Seite zu ziehen.

Bei der Auseinandersetzung zwischen mehreren Rednern ging es dabei immer auch ums gewinnen. Maß man sich mit einem ebenbürtigen Gegner, dann war es das Ziel mehr Zustimmung zu generieren. Ob das nun einer höheren Sache diente oder nur dem eigenen Ego sei einmal dahingestellt.

In der römischen Republik war die Rolle des Redners eine ähnliche. Aufgrund der Verfasstheit des Staates ging es aber hier nicht darum, das "einfache" Volk zu überzeugen, sondern vielmehr darum eine mehr oder weniger gleichrangige Elite auf seine Seite zu ziehen. Die Senatsreden der römischen Republik waren daher teilweise deutlich komplexer als die Reden der griechischen Rhetoren. Der Zweck und die Ausrichtung blieben aber gleich. Aus der römischen Zeit sind uns auch viele Gerichtsreden überliefert, die der Verteidigung oder der Anklage eines potenziellen Verbrechers dienten.

Bemerkenswert ist, dass die Kunst der Rhetorik sich bis in die heutige Zeit so gut wie nicht verändert hat. Natürlich sind die Inhalte von Reden heute andere. Die Grundstruktur und die sprachlichen Mittel orientieren sich aber immer noch an den Lehren der antiken Rhetoren.

Orator

Eine weitere gern gesehene Lösung für die genannte Umschreibung ist der Begriff "Orator". Orator meint dabei nicht ganz dasselbe wie Rhetor. Während beim Rhetor die Dimension des Lehrers eine Rolle spielt, ist der Orator auf die kommunikative Seite des Redens beschränkt.

Die Redner der Antike

Die berühmten Redner der Antike sind teilweise immer noch Teil der modernen Allgemeinbildung. Allein dieser erstaunliche Umstand macht deutlich, wie hoch die Kunst dieser Menschen eingeschätzt werden kann. Oder können Sie auch nur einen einzigen Redner der frühen Neuzeit benennen? Den Namen Cicero sollte hingegen jeder schon einmal gehört haben. An dieser Stelle wollen wir deshalb einige ausgewählte Redner der griechischen und römischen Antike ein wenig näher betrachten, die im Übrigen auch gerne in Kreuzworträtseln umschrieben werden.

Demosthenes

Demosthenes ist der wohl berühmteste Rhetor der griechischen Antike. Er wirkte im Laufe des 4. Jahrhunderts und war schon zu Lebzeiten hochangesehen. Berühmt wurden vor allem seine Reden, die er gegen die drohende Machtübernahme durch Philipp von Makedonien hielt. Die sogenannten Philippika gingen in die Geschichte der Redekunst ein und werden bis heute immer wieder rezipiert. Zahlreiche Reden dieses Meisters seiner Kunst sind glücklicherweise überliefert und werden auch gegenwärtig noch fleißig genutzt, um Menschen, die altgriechisch lernen wollen, zu quälen oder zu erfreuen... entscheiden Sie selbst.

Isokrates

Isokrates gilt als der Grieche dessen Reden die Rhetorik auf die höchstmögliche Ebene gehoben haben. Viele seiner Reden sind überliefert, wurden aber vermutlich niemals gehalten. Isokrates war nämlich in erster Linie ein Lehrer der Redekunst. Etliche seiner Werke wurden aller Wahrscheinlichkeit nach nur als Lehrstücke für seine Schüler verwendet. Tatsache bleibt trotzdem, dass sie zu dem Besten gehören, was die antike Redekunst zu bieten hat.

Cicero

Der römische Senator und vielbeachtete Staatsmann mit dem klingenden Beinamen Cicero (Kichererbse) lebte und wirkte gegen Ende der römischen Republik im letzten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Marcus Tullius Cicero war ein hochbeachteter römischer Senator, der einen riesigen Fundus an Reden und Briefen hinterließ. Zu den berühmtesten gehören seine philippischen Reden, deren Namen er bei den Philippika des Demosthenes entlehnt hatte. Auch wenn Cicero als einer der größten römischen Staatsmänner und Rhetoren gilt, konnte ihn das nicht vor einem gewaltsamen Tod beschützen. Er war einer der ersten Republikaner auf der Todesliste des ersten römischen Kaisers Augustus.

Eine antike Kunst mit aktueller Bedeutung

Nach diesem knappen Einblick sollte man einige Dinge festhalten. Die Kunst der Rede hat bis in die heutige Zeit Bedeutung. Ein guter Redner kann in der Gegenwart eine ebenso große Wirkung auf sein Publikum haben, wie er es in der Antike auch schon hatte. Es gehört zum Dasein eines mündigen Demokraten dazu, dass man sich des Einflusses, den eine geschickt gehaltene Rede auf die Zuhörer hat, bewusst ist.
Wir hoffen, dass wir Ihnen sowohl auf der Suche nach einer Lösung für ihr Kreuzworträtsel als auch bei der Suche nach ein wenig Hintergrundwissen behilflich sein konnten.